Der Philosoph und Aufklärer gilt als einer der Begründer der modernen Erziehung. Er postulierte die Kindheit als eigene Lebensphase mit spezifischen Rechten. Das Kind war für ihn ein grundsätzlich "gutes" Geschöpf, das höchstens durch schädliche gesellschaftliche Einflüsse verdorben werden konnte. Schutz davor sollten ihm seine Erzieher bieten, die ihm ansonsten eher indirekt dabei helfen sollten, seinen naturgegebenen Charakter zu entwickeln. Seinen beiden eigenen Kinder, die ihm 1746 und 1748 die Wäscherin Thérèse Levasseur gebar, war er jedoch kein solch geduldiger Mentor: Beide wurden als "Findelkinder" abgegeben. Seine Begründung: Er habe nicht genug Geld verdient, um eine Familie ernähren zu können. Daher habe seine Geliebte den Lebensunterhalt verdienen müssen. Dies wäre mit Kindern nicht mehr möglich gewesen. Zwar war es im 18. Jahrhundert nicht unüblich, dass arme Familien ihre Kinder abgaben. Die Waisenhäuser dürften jedoch Rousseaus Vorstellung einer Kindheit voll freier Entfaltung nur wenig entsprochen haben.

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